Hauptinhalt

Stromnetz

- Überlandleitungen transportieren den Strom von den Erzeugungsanlagen bis zu den Verbrauchern.
Strom wird von zahllosen Konsumenten verbraucht, deren Nachfrage an den verschiedensten Orten und in unterschiedlichen Größenordnungen anfällt. Ähnliches gilt für die Stromerzeugung, die zentral oder dezentral, in Großkraftwerken oder Kleinanlagen erfolgt. Um Erzeugung und Konsum in Einklang zu bringen und Strom von den Erzeugungsanlagen bis in weit entfernte Betriebe und abgelegene Haushalte zu verteilen, bedarf es einer funktionierenden Infrastruktur.
Diese Aufgabe leisten komplexe Stromnetze. Dabei muss beim Stromtransport im Netz zu jeder Zeit ein Gleichgewicht zwischen Last und Erzeugung geschaffen sein, um die Netzstabilität und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Dazu erfordert es eines permanenten und hohen Regelungsaufwands, um die tages- und jahreszeitlichen Schwankungen des Stromdargebots und der –nachfrage auszugleichen.
Das Stromnetz ist ein hoch entwickeltes, international verbundenes Leitungsnetz, das in verschiedene Spannungsebenen aufgeteilt ist. Das Höchstspannungsnetz in Deutschland, dessen Spannung bei 220 oder 380 kV liegt, gilt als Übertragungsnetz für weite Entfernungen. Beispielsweise von großen Kraftwerken, die den Grundlaststrom erzeugen, bis zu den regionalen Verteilungsnetzen, die die Spannung anwendungsgerecht transformieren. Das Hochspannungsnetz (110 kV) dient der Grobverteilung der Energie in die Ballungszentren, Regionen und großen Industriebetriebe. Das Mittelspannungsnetz (10 bis 30 kV) verteilt Strom an Transformatorstationen des Niederspannungsnetzes und an größere Abnehmer wie zum Beispiel Fabriken. Die Feinverteilung des Stroms an Haushalte, Gewerbebetriebe und Verwaltungen übernimmt das Niederspannungsnetz (230V oder 400V). Generell gilt: Je höher die Spannung, umso geringer sind die Transportverluste. Daher sind Fernübertragungsleitungen meist Höchst- oder Hochspannungsleitungen.
Die Spannungsebenen der Netze sind international verschieden. EU-weit ist die Spannungsebene jedoch vergleichbar. Die deutschen Höchst- und Hochspannungsleitungen sind im Europäischen Verbundsystem (ENTSO-E) angeschlossen, um Schwankungen in Stromeinspeisung und -verbrauch regulieren und um Stromhandel betreiben zu können.
In Deutschland nimmt die Bedeutung der erneuerbaren Energien für die Stromerzeugung stetig zu. Bis 2030 sollen nach dem Energiekonzept der Bunderegierung 50 Prozent des Bruttostromverbrauchs von erneuerbaren Energiequellen getragen werden. Dabei besteht bereits heute ein geographisches Ungleichgewicht zwischen der hohen installierten Windenergieleistung im Norden und Osten Deutschlands und der Konzentration der Lastzentren im Süden und Westen der Republik. Dieses Ungleichgewicht wird zukünftig durch die geplante Errichtung großer Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee weiter zunehmen. Dies bedeutet auch, dass der Anteil des Stroms aus stark fluktuierenden Energiequellen wie Wind und Photovoltaik weiter steigen wird und ein erhöhter Regelungsbedarf zur Harmonisierung der schwankenden Erzeugung und des Verbrauchs resultiert.
Damit Strom aus erneuerbaren Energien sicher und preiswert in das Stromversorgungssystem integriert werden kann und von den Stromerzeugungskapazitäten in die Verbrauchszentren gelangt, muss das Netz quantitativ – Ausbau zusätzlicher Übertragungskapazität – wie auch qualitativ – intelligente Regelungsmethoden zur Lastglättung (Smart Grids) – weiterentwickelt werden. Insbesondere auch die Möglichkeiten Strom effizient speichern zu können, werden dabei eine wichtige Voraussetzung darstellen.









