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Lüften - früher & heute

- An kalten Fenstern kondensiert die in der Innenluft enthaltene Luftfeuchtigkeit. Quelle: Fotolia, © Yuri Arcurs
Früher haben sich Gebäude quasi selbst gelüftet - über undichte Fenster. Heute haben die meisten Gebäude isolierverglaste Fenster, die kaum Wärme nach draußen lassen und so den Heizenergiebedarf senken. Der Preis dafür ist die Notwendigkeit, regelmäßig aktiv zu lüften, sofern dies nicht eine Lüftungsanlage übernimmt.
Die Bauforschung hat seit langem die Wohnungslüftung als wichtigen Faktor für frische und hygienische Luft sowie als bedeutende Möglichkeit zum Energiesparen erkannt. Nach der Ölpreiskrise von 1974 wurden in vielen Gebäuden die bisherigen Einzelöfen gegen Zentralheizungen ausgetauscht und die Außenwände wärmegedämmt. Außerdem erhielten die Häuser neue, isolierverglaste Fenster mit dichteren Rahmen. Bis dahin waren Einfachverglasungen mit vergleichsweise durchlässigen Rahmen der Standard.
Die durch relativ undichte Fenster zwangsläufig verursachte Entfeuchtung und Erneuerung der Luft reichte oft aus, um Feuchtigkeit und Gerüche unter Inkaufnahme hoher Wärmeverluste sicher aus dem Innenraum zu entfernen. Lüftung erforderte damals kein aktives Handeln, sondern erledigte sich "von selbst". Bei Einfachverglasung waren die Fenster während der Heizperiode die kältesten Flächen in der Wohnung. Hier kondensierte die in der Innenluft enthaltene Luftfeuchtigkeit, lief an der Scheibe ab, sammelte sich in einer Ablaufrille auf der Innenfensterbank und musste regelmäßig weggewischt werden.
Die Behaglichkeit der Wohnungen war durch die als "kalt" wahrgenommenen Glasflächen sowie die ungleichmäßige "Wärmeverteilung" - d. h. warme und kühle Flächen gleichzeitig in einem Raum - fühlbar eingeschränkt. Heutige Selbstverständlichkeiten in Wohnungen, wie große, lichtdurchflutete Fensterfronten, das Züchten tropischer Zimmerpflanzen und das Tragen leichter Kleidung auch im Winter, waren nicht üblich.
Mittlerweile sind Neubauten gut wärmegedämmt und die Wärmeverluste durch Wände und Fenster haben abgenommen. In diesen neuen Häusern ist dadurch der prozentuale Anteil der Lüftungswärmeverluste an den gesamten Wärmeverlusten relativ gesehen gestiegen. In Neubauten machen sie heute bis zu 50 Prozent aus. Wärmegedämmte Häuser erfordern deshalb zwar einen aktiven, bewussten Umgang mit Haustechnik und mehr Aufmerksamkeit für die eigenen Gewohnheiten, benötigen dafür aber umso weniger Energie.
In einer Vielzahl von Forschungsprojekten zur Wohnungslüftung wird an der Optimierung von Energiesparen, Wohnkomfort, Frischluftversorgung und Hygiene gearbeitet.
Quelle: BINE Informationsdienst - "Frischluft und Energiesparen", basisEnergie Nr. 12










