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Geschichte der Windenergienutzung

- Die Nutzung der Windenergie in Europa blickt auf eine lange Tradition zurück. © Rainer Weisflog
Die Idee der guten alten Windmühle lebt in den modernen Windenergieanlagen weiter. Innovative Materialien, spezielle Stromgeneratoren und ausgefeilte Anlagenelektronik ermöglichen die heute weitverbreitete Stromproduktion aus der Kraft des Windes. Dabei blickt die Nutzung der Windenergie in Europa auf eine lange Tradition zurück.
Mechanische Nutzung
In Europa wurden die ersten Windmühlen im 12. Jahrhundert errichtet. Bei diesen so genannten Bockwindmühlen lässt sich das Mühlhaus um einen senkrechten Mittelbalken nach dem Wind ausrichten. Die technologische Weiterentwicklung fand in den Niederlanden mit der „Holländerwindmühle“ im 15. Jahrhundert statt. Bei dieser ist nur noch die Turmkappe mit den Flügeln drehbar. Mitte des 19. Jahrhunderts waren in Deutschland ca. 20.000 Windmühlen in Betrieb.
Für die Niederlande waren die ca. 9.000 Windmühlen im 17./18. Jahrhundert „Motor“ des Wirtschaftsaufschwungs. Sie wurden zur Bodenentwässerung, in Sägefabriken und in Hammerwerken eingesetzt. Die erste industrielle Massenfertigung von Windenergieanlagen (WEA) erfolgte in den USA: Von 1860 bis 1930 wurden ca. 6 Mio. WEA („Westernräder“) für Grundwasserpumpen verkauft. Weltweit begann der Niedergang der mechanischen Windenergienutzung mit der Dampfmaschine, der Konkurrenz des billigen Diesel und der Elektrifizierung des ländlichen Raumes.
Elektrische Nutzung
Die moderne Windenergienutzung – Ziel war die Versorgung strukturschwacher ländlicher Regionen mit Gleichstrom - begann 1891 in Dänemark. Geschützt durch die hohen Energiepreise während des 1. Weltkrieges waren bis 1918 etwa 120 Anlagen (Leistung jeweils 10 bis 35 Kilowatt (kW)) in Betrieb.
Die Windenergieforschung wurde in den 1920er Jahren in Dänemark, der ehemaligen UdSSR und Deutschland fortgesetzt. In den USA ging 1941 die erste Großanlage (1.250 kW) in die netzgebundene Stromerzeugung. Nach dem 2. Weltkrieg sanken die Energiepreise und damit auch das Interesse an der Windenergie. Versuchsanlagen wurden in Frankreich, Großbritannien, Dänemark und Deutschland errichtet. Von 1958 bis 1968 war auf der schwäbischen Alb eine 100 kW-Anlage in Betrieb, die bereits über aerodynamische Rotorblätter aus Glasfaserverbundmaterial und eine Pendelnabe verfügte.
Infolge der beiden Ölpreiskrisen und des wachsenden Umweltbewusstseins begann ab 1975 international das Comeback der Windenergie. Gefördert durch eine günstige Steuergesetzgebung wurden in den USA (besonders in Kalifornien) nach 1980 ca. 15.000 Windenergieanlagen mit einer Nennleistung von insgesamt 1.400 MW errichtet. Etwa die Hälfte dieser Anlagen waren Importe von dänischen Herstellern. Durch diese Exporte und eine stabile Binnennachfrage infolge günstiger Einspeisetarife entwickelte sich die dänische Windindustrie rasch.
In Deutschland wurden von 1974 bis 2001 ca. 320 Mio. EUR allein auf Bundesebene in die Forschung investiert. Besonders durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz wurde die Nutzung der Windenergie in Deutschland ab dem Jahr 2000 erheblich beflügelt. Mittlerweile nimmt Deutschland bei der Windenergie bezogen auf die installierte Leistung (2010: 27.215 MW) international den dritten Platz ein. Diese Leistung verteilt sich auf ca. 21.600 Anlagen mit einer durchschnittlichen Leistung von 1,26 MW. Ende 2010 waren weltweit Anlagen mit einer Gesamtleistung von ca. 195.000 MW installiert.









