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letzte Änderung: 13.04.2012 

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Erdwärme-Kraftwerk Neustadt-Glewe

Stromzähler
Die Berechnungen für Neustadt-Glewe kommen zum Ergebnis, dass eine Kilowattstunde geothermischen Stroms etwa 18-22 Cent kosten würde.

In der Geothermie-Anlage Neustadt-Glewe produziert eine Organic-Rankine-Cycle-Anlage (ORC) seit 2003 Strom. Die Leistung der Anlage beträgt 210 kW und sie erzeugt pro Jahr ca. 1,2 GWh Strom. Damit können ca. 500 Haushalte in Neustadt-Glewe mit geothermischem Strom versorgt werden.

Im Anschluss an die Stromgewinnung wird das noch 70 bis 84 °C warme Wasser wie bisher an das Fernwärmenetz abgegeben.

Die geothermische Kraft-Wärme-Kopplungsanlage (KWK) wird wärmegeführt. Das heißt, die Wärmeversorgung steht im Vordergrund und eine hohe Stromerzeugung findet nur in den Zeiten geringer Wärmenachfrage statt. Bei Spitzenwärmebedarf in den Wintermonaten wird die Stromerzeugung sogar kurzzeitig ganz eingestellt. 

Für die Integration der Stromproduktion in dieser Anlage sprechen das hohe Temperaturniveau, die bekannten Fließraten sowie die sommerlichen Wärmeüberschüsse und der Betrieb als KWK-Anlage. Die Erfahrungen aus Neustadt-Glewe sind auch für die geothermische Stromerzeugung an anderen Standorten – sowohl hydrothermale als auch nach dem Hot-Dry-Rock-Verfahren   – bedeutsam.

Verfügbarkeit

Geothermischer Strom steht unabhängig von Jahres- und Tageszeiten zur Verfügung. Damit wäre er grundsätzlich zur Sicherung der Grundlast  geeignet, also zur Sicherung der permanent benötigten Mindeststrommenge.

Das geothermische Strompotenzial in Deutschland ist enorm. Mit der heutigen Technik ließe sich ein Potenzial erschließen, das dem 600-fachen des deutschen Jahresstromverbrauchs entspricht. Hiervon entfällt nur etwa ein Prozent auf Heißwasser-Aquifere. Aber selbst damit ließe sich noch das Fünffache des derzeitigen Jahresstromverbrauchs decken.

Dieses technische Potenzial wird sich aber so bald nicht realisieren lassen, da die Wärmenachfrage als limitierender Faktor die Stromerzeugung direkt beeinflusst. Würden sämtliche deutsche Fernwärmenetze nur noch mit geothermischer Wärme versorgt, dann würde der Anteil des geothermischen Stroms lediglich zwei Prozent des deutschen Stromverbrauchs betragen. Um den Anteil des geothermischen Stroms weiter erhöhen zu können, bedarf es zukünftig eines Ausbaus dieser Wärmenetze oder anderer Möglichkeiten, die entstehende Wärme zu nutzen oder abzuführen. 

Kosten

Geothermischer Strom ist derzeit noch vergleichsweise teuer. Die Stromgestehungskosten hängen u. a. von der Bohrtiefe, der dort herrschenden Temperatur, dem Eigenstromverbrauch der Anlage und dem Fördervolumen ab. Die Berechnungen für Neustadt-Glewe kommen zum Ergebnis, dass eine Kilowattstunde geothermischen Stroms etwa 18-22 Cent kosten würde.

Wird von den geologischen Bedingungen des Oberrheingrabens ausgegangen, mit einer Temperatur von 180 °C und einer Förderrate von 200 m³/h, dann lassen sich auch deutlich niedrigere Stromgestehungskosten von etwa 8 Cent realisieren. Auf der technischen Seite sind im Bereich der Bohrtechnik und der Stromerzeugungsanlagen ebenso noch weitere Effizienzsteigerungen und damit Kostenreduzierungen zu erwarten.

Quelle: BINE Informationsdienst, projektinfo 09/03


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