Servicefunktionen
letzte Änderung: 13.04.2012 

Hauptinhalt
Aktueller Wertungsstatus

Auswahlkriterien für Dämmstoffe

Bauarbeiter am Laptop
Niedrige Wärmeleitfähigkeit, hohe Qualität und Lebensdauer eines Dämmstoffes erhöhen die Materialkosten.

Jedem Topf seinen Deckel, jedem Haus seinen Dämmstoff. Wer die Kälte- oder Wärmedämmung seines Hauses verbessern will, sollte die Auswahl des Dämmmaterials von bestimmten Kriterien abhängig machen.

Baumwolle, Holzfaser, Polyurethan-Hartschaum oder Vakuumisolationspaneele? Die folgenden Kriterien helfen bei der Entscheidung für den richtigen Dämmstoff, damit die Investition optimale Ergebnisse erzielt. Die Reihenfolge kann von Fall zu Fall variieren.

Wärmeleitfähigkeit (Lambda)

Dämmstoffe haben gemeinsam, dass sie eine geringe Wärmeleitfähigkeit besitzen, die jedoch stark variiert. Je geringer die Wärmeleitfähigkeit, desto besser und desto dünner kann die Dämmschicht ausgeführt werden. Technisch gesprochen gibt die Wärmeleitfähigkeit die Wärmemenge an, die in einer Stunde durch einen Quadratmeter einer meterdicken Schicht eines Stoffes bei einem Temperaturunterschied von einem Kelvin hindurchgeht.

Preis

Grundsätzlich gilt: Niedrige Wärmeleitfähigkeit, hohe Qualität und Lebensdauer erhöhen die Materialkosten – der Mehrpreis kann sich auf Dauer aber rechnen. Ein weiterer Faktor ist der Einbau: Mineralwolle beispielsweise kann man mit handwerklichem Geschick selbst einbauen, Vakuumisolationspaneele hingegen sollten unbedingt qualitätssicher, sprich vom Fachmann angebracht werden.

Feuchtebeständigkeit gefragt

Wasser besitzt eine höhere Wärmeleitfähigkeit als Dämmstoffe. Wird das Material bei Lagerung, Transport oder nach Einbau nass (z. B. durch Regen, Kondenswasser oder Wasserdampf), büßt es seine dämmende Wirkung ein. Auch hier gibt es große Unterschiede von Material zu Material – es kann sein, dass bestimmte Dämmstoffe zusätzlich wasserabweisend behandelt werden müssen.

Tipp: Aspekte der Wohngesundheit
Ein gesundes Wohnklima erfordert nicht nur angenehme Temperaturen, sondern auch die richtige Luftfeuchte. Durch Kochen, Duschen oder Zimmerpflanzen entstehen in einem Vier-Personen-Haushalt bis zu 13 Liter Feuchtigkeit täglich. Ohne ausreichende Lüftung kondensiert diese Feuchte an kalten Flächen, sorgt für ein unangenehmes Raumklima und kann zu Schimmelpilzbildung führen. Der Feuchtetransport durch die Wände ist – unabhängig davon, ob sie wärmegedämmt sind oder nicht – vernachlässigbar gering. Die freigesetzte Feuchtigkeit kann daher nur durch ausreichende Lüftung abgeführt werden. Daher ist bei der heute erforderlichen dichten Bauweise unbedingt der Einbau einer Lüftungsanlage zu empfehlen – sie sorgt permanent für Feuchtigkeitsabfuhr und schützt damit vor Bauschäden und Schimmelpilzen.

Brandschutz

Die Brandschutzvorschriften von Dämmstoffen sind analog zu denen von Baustoffen in der deutschen DIN 4102 und der europäischen DIN EN 13501 geregelt. Beide Normen sind gleichwertig gültig und unterscheiden Stoffe hinsichtlich ihrer Brenneigenschaften, der daraus resultierenden Rauchentwicklung und der Brennwirkung auf das gesamte Gebäude.

Die DIN 4102 unterscheidet zwischen A1, A2 (beide: nicht brennbar), B1 (schwerentflammbar) und B2 (normalentflammbar). Baustoffe der Klasse B3 (leichtentflammbar) dürfen bereits seit 1979 nicht mehr verwendet werden.
Das Brandverhalten beeinflusst auch die Dämmstoffauswahl. So kann z.B. bei höheren Gebäuden keine Fassadendämmung aus brennbarem Polystyrol eingesetzt werden und bei normalen Mehrfamilienhäusern müssen Brandriegel aus Mineralfaserdämmung eingebaut werden.

Ökologische Aspekte

Die Ökobilanz von Dämmmaterialien ist zwar unterschiedlich, der Energieverbrauch bei Herstellung, Transport und Einbau hat sich jedoch im Schnitt schon nach einem Jahr durch die eingesparte Heizenergie amortisiert. Relevant für die Einschätzung der Ökobilanz eines Dämmstoffes ist die so genannte „graue Energie“, d.h. der Primärenergiegehalt, der für Herstellung, Verarbeitung, Einbau, Transport von Material, Maschinen und Arbeitskräften sowie Entsorgung bzw. Wiederaufbereitung eines Baustoffes benötigt wird.

Dämmstoffe sollten einen niedrigeren Primärenergiegehalt aufweisen, als sie über ihre Lebensdauer an Energie einsparen und werden dahingehend mit dem OI3-Index miteinander verglichen. Je niedriger dieser Wert, desto besser die Bilanz. Dämmstoffe, die lokal und unter Einsatz erneuerbarer Energien hergestellt werden, senken die Energiebilanz. Übrigens: Organische Dämmstoffe sind nicht per se umweltfreundlicher als anorganische. Entscheidender ist unter dem Aspekt des Stoffkreislaufes der Einsatz von Recyclingmaterialien.

Lebensdauer

Wer auf Nachhaltigkeit und beständige Isolierwirkung setzen möchte, achtet bei der Auswahl auf eine lange Lebensdauer des Dämmstoffes sowie des eingesetzten Dämmsystems, wie z.B. Wärmedämmverbundsysteme an Hausfassaden. Bei Mineralwolle, Zellulose und Perliten geben Hersteller meist eine Lebensdauer von etwa 25 Jahren an. Möglich ist auch, dass sie weit darüber hinausgeht – es liegen noch keine Langzeitstudien vor.

Recycling

Wenn ein Produkt nach seiner Erstnutzung einer anderen Verwendung zugeführt wird, entfällt die einfache Entsorgung. Bei Dämmstoffen, bei denen die Lebensdauer die durchschnittliche Nutzungsdauer überschreitet, ist dies beispielsweise möglich. Grundsätzlich gilt: Je höher die Recyclingfähigkeit eines Hauses, desto nachhaltiger das Bauen. Dabei hilft es, wenn möglichst wenige verschiedene Materialien in einem Gebäude verwendet werden bzw. sie leicht voneinander zu trennen sind. Nach Möglichkeit sollte man auf Materialien verzichten, die Schadstoffe beinhalten und als Sondermüll entsorgt werden müssen.

Bauaufsichtliche Zulassung vorhanden

Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) vergibt nach besonderer Beantragung allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen (abZ) für Baustoffe und Bauarten, die nicht durch allgemeingültige Regelungen und Normen (z. B. DIN, EN) abgedeckt sind. AbZ gelten als sichere Nachweise für die Anwendbarkeit von Baustoffen.


Bewerten Sie diesen Artikel:
schlecht mangelhaft gut sehr gut
Fragen Sie unsere Experten